Pop Art und Pin Up

Della Monty (Mel Ramos)
Mel Ramos ironisiert Warenwelt - Eine Persiflage auf die Werbung
Knallige Pop-Art Malerei des Künstlers Mel Ramos sind in Tübingen zu sehen. Anlaß ist sein 75. Geburtsjahr und das mehr als 50-jährige Bestehen der Pop-Art Bewegung, zu deren Hauptvertretern er zählt.
Seine “Commercial Pin-ups” persiflieren die Werbung: laszive Pin-ups rekeln sich zwischen monumentalisierten Markenartikeln. Seine Werke sind vielfach komplexer, durchdachter, tiefsinniger als man auf den ersten Blick glauben möchte. Und handwerklich meisterhaft ausgeführt.
Auch bei Claes Oldenburg ist die Monumentalisierung von Objekten der Alltagskultur zu beobachten, wie die Spitzhacke am Fuldaufer in Kassel. Eine gängige Strategie der Werbung.
Pin-Ups machen Ramos zu einem der bedeutendsten Vertreter der Pop-Art. Voraussetzung für die Pop Art war bekanntlich der Aufstieg der modernen Massenmedien und die Allgegenwart der Werbung Anfang der 60er Jahre.
Pop Kultur, Alltagsmythen und Sexappeal
Es sind die oft sexuell unterfütterten Glücksversprechen der Werbung, die Mel Ramos bei seinen Modellen pointiert. Die erotisierte Produktpräsentation, die tagtäglich inszenierte Verbindung von Alltagskonsum und Kultur der verführerischen Verheißung. Das Publikum wird in einen ironisch heiteren Tagtraum entführt. Seine Werke atmen den Geist der Sixties, den Sexappeal der Pop-Kultur. Sexuelle Befreiung stand damals auf der gesellschaftlichen Agenda ganz oben … und die Kunst gab Flankenschutz in Gestalt libertiner Gesten.
In Zeiten von Intimschmuck, frei zugänglicher Internetpornographie und barbusigen Boulevardblättern, wirken die Werke in ihrer dezenten Laszivität rührend unschuldig und überholt: ein kunstgeschichtliches Zitat.
Die subtile Erotisierung steigert Ramos in seinen Bildern zu einer satirischen Sexualisierung. Verführerische Pin-up Girls umarmen riesenhafte Getränkeflaschen oder Zündkerzen. Sex-sells-Strategien der Produktwerbung lassen grüßen! Ramos persifliert die Tendenz der Reklame jener Zeit, Kaufanreize durch sexuelle Stimulation zu schaffen, indem er Markenartikel mit nackten schönen Frauen garniert, besonders wo man es eigentlich gar nicht erwarten würde: Monterey Jackie lümmelt beispielsweise aufmunternd lächelnd auf einem riesigen Stück Käse …
Wer weibliche Reize so plakativ mit der Produktästhetik verbindet, der führt ganz offensichtlich jene viel subtileren Werbestrategien ad absurdum, welche sexuelle Lusterfüllung und erotische Attraktivität an den Erwerb bestimmter Waren bindet. Die Idee von verführerischen Frauenfiguren, die für Produkte, Themen oder Aktivitäten werben, gibt es allerdings schon seit Jahrhunderten.
Die Anfänge
Melvin John Ramos wurde am 24. Juli 1935 als Sohn eines Rennfahrers portugiesischer Abstammung in Sacramento, Kalifornien, geboren. Er lebt und arbeitet in Oakland, Kalifornien, und Horta de San Juan, Spanien. Von Anfang an wollte er Malerei studieren. Anfänglich war er noch der Bay Area Figurative School verhaftet, mit ihrem abstrakten Expressionismus. Dessen Vertreter - wie Mark Rothko - zielen darauf ab, allein die Farbe zur Geltung zu bringen, bar jeden Bildinhalts.
1961 fand in seiner Bildmetaphorik eine Wende statt. Er beschloss, nicht die Menschen zu malen, die er kannte, sondern Menschen, mit denen er groß geworden war und die er bewunderte: Comics. Die Alltagsmythen seiner Kindheit, die Idole seiner Kindheit waren Superman, Captain Midnight. Aber besonders die lasziven Wonder Women.
Die aus Massendruckwaren entnommenen Motive verleihen seinem Werk eine heiter-ironische Distanz zu der ernsten akademischen Kunst.
Warum aber Comics? ….. Verständliche Kunstwerke möchte er schaffen, sagt Ramos einmal, welche auf berühmte, weit verbreitete kulturelle Symbole zurückgreifen. So verwendet er Bildvorlagen, die im Zeitalter der sexuellen Revolution bereits zum Klischee geworden sind, etwa Pin-up-Zeichnungen von George Petty für den Playboy.
Im Los Angeles County Museum of Art wird der gerade einmal achtundzwanzig Jahre alte Maler zusammen mit Roy Liechtenstein, Andy Warhol und anderen Pop-Art-Künstlern bereits 1963 in der Gruppenausstellung „Pop! Goes the Easel“ gefeiert. Seine Teilnahme katapultierte ihn in den Rang eines anerkannten Künstlers und bestimmte seine weitere Laufbahn.
Ramos erhält 1967 als 32-Jähriger einen Ruf an die California State University. Zugleich wird ihm im San Francisco Museum of Modern Art eine Einzelausstellung gewidmet. Im gleichen Jahr verhängt die Polizei bei einer Kölner Galerieausstellung seine Bilder mit Laken. In dem von Prüderie geprägten Nachkriegsdeutschland gelten seine Bilder als schmuddelig und oberflächlich. Mel Ramos’ Deutschlanddebüt fand im Herbst 1966 in der Kasseler Galerie Ricke statt.

Peek a Boo Scarlett (Mel Ramos)
Bei den Arbeiten der sogenannten Peek-a-Boo (Schlüsselloch) Serie, ließ sich Ramos von den erotischen Bildern des Mutoskops inspirieren. Das Mutoskop ist ein Gerät zur Vorführung bewegter Bilder, ähnlich einem Daumenkino. Ramos übersetzte diese technische Erfindung in die Malerei, indem er das Bild als voyeuristischen Blick durch die dunkle Silhouette eines Schlüssellochs konzipierte.
Eine weitere Werk Reihe der 1960er-Jahren zeigte sich durch die Welt der Mode inspiriert. Es ist die österreichische Mode-Ikone Rudi Gernreich mit seinen provokativen Designs freizügiger Frauenmode „Monokini“ oder die Unisex-Mode, die Ramos faszinierte. Aber auch die Ideen von André Courrèges und Emanuel Ungaro, wie sie in der Vogue oder in Harper’s Bazaar abgebildet wurden. Beide Designer entwickelten Kleider mit transparenten, geometrischen Flächen. Oder Aktionen des deutschen Werbedesigner und Fotograf Charles Wilp mit seiner berühmten Werbung für:„Super-sexy-mini-flower-pop-op-cola – alles ist in Afri-Cola“.
Der Arbeitsprozess von Mel Ramos ist durch seine schlechten Augen bestimmt. Aufgrund eines Sehfehlers hat er Schwierigkeiten, zwischen Nah und Fern zu fokussieren. Um diese Probleme zu umgehen, arbeitet er auf der Basis von Fotografien, die er selbst anfertigt, in Lifestylemagazinen findet oder in jüngerer Zeit im Computer zu den angedachten Szenen oder Motiven komponiert. Die Anwendung der Fotografie als Vorlage für das gemalte Werk stellt ihn dabei in die Nähe der Fotorealisten wie Chuck Close, die Fotografien als Schaffensbasis betrachten.
„Was meine Arbeit ausmacht ist, dass Kunst aus Kunst entsteht. Das ist das Wesentliche, und dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um anspruchsvolle Kunst, primitive Kunst, populäre Kunst oder was auch immer handelt. Comics, Mädchenzeitschriften, Zeitschriftenwerbung, Reklametafeln – für mich ist das alles Kunst“, beschrieb Ramos einmal sein künstlerisches Credo.
Wir sind gespannt auf die nächsten Werke von Mel Ramos. Wahrscheinlich sind sie humorvoll, ironisch und höchstwahrscheinlich ……mit weiblichen Wesen bestückt.
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also ich finde das erste bild wirklich sehr gelungen. mich würde es mal interessieren wie lange er an diesem bild gesessen hat. ebenso das schlüssellochmotiv. die ist sehr frivol, absolut gelungen . interesseanter wäre es, wenn man durch das schlüsselloch nicht alle details erkennt, das würde die fantasie mehr anregen oder was sagt ihr?